„Regensburger Modell“ wird Erfolgsstory

20 Jahre Universitätsmedizin am Caritas-Krankenhaus St. Josef

Vor 20 Jahren wurden die Kliniken für Urologie sowie für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Caritas-Krankenhaus St. Josef auf vollständiges universitäres Niveau gehoben. Grundlage war eine wegweisende Vereinbarung zwischen Universität, Universitätsklinikum und dem Caritas-Krankenhaus. Diesen Meilenstein in ihrer Geschichte hat die Klinik am Montag in einem Festakt gefeiert.

„Das Regensburger Modell hat sich in 20 Jahren zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem Caritasverband Regensburg und der Universität und in der Folge zwischen Universitätsklinikum und St. Josef entwickelt. Von dieser Zusammenarbeit profitieren die Menschen in Ostbayern und darüber hinaus“, machte Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann in seiner Begrüßungsrede den Stellenwert der Kooperation deutlich. PD Dr. Sylvia Pemmerl, Geschäftsleitung und Medizinisch-Ärztliche Direktorin am Caritas-Krankenhaus St. Josef, ergänzte: „Der universitäre Geist der 2003 in St. Josef eingekehrt ist, steckt an, wird durch weitere Kooperationen verstärkt, und herrscht im ganzen Haus. Wir fühlen uns dem Universitätsklinikum Regensburg dadurch sehr verbunden, sehen uns ein wenig als „der kleine Bruder“.“

Erfolgsstory startet 2003

Was heute eine Erfolgsstory ist, startete 2003 als einzigartiges Regensburger Modell: da der Ausbau des Universitätsklinikums nicht wie ursprünglich vorgesehen erfolgen konnte, suchte man alternative Möglichkeiten, um das medizinische Fächerspektrum zu vervollständigen. Es entstand die Idee, die fehlenden universitären Fächer Urologie sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit den dazu gehörenden Lehrstühlen extern am Caritas-Krankenhaus St. Josef anzusiedeln. Das Caritas-Krankenhaus war zu dieser Zeit bereits Lehrkrankenhaus für die Universität und wurde so zu einem neuen Kooperationspartner mit neuer Qualität.

Am 17. April 2003 war es soweit: für den Freistaat Bayern bzw. die Universität Regensburg und den Caritasverband für die Diözese Regensburg e.V. als Träger des Krankenhauses unterzeichneten der damalige Rektor Prof. Dr. Alf Zimmer und Generalvikar Prälat Dr. Wilhelm Gegenfurtner eine entsprechende Vereinbarung. Nachdem der Medizinausschuss des Wissenschaftsrats diesem Alternativkonzept ebenfalls zugestimmt hatte, wurden die Fächer Urologie sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Caritas-Krankenhaus St. Josef über die Lehre hinaus auf vollständiges universitäres Niveau gehoben. Seitdem ist die Klinik Standort der Lehrstühle für Urologie sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit Schwerpunkt Gynäkologie der Universität Regensburg.

Die Verbindung wurde 2013 noch einmal intensiviert. Damals wurde die Hochschulambulanz für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie in St. Josef etabliert. Die Kooperation fußt auf einer personellen Besonderheit: 2012 wurde Prof. Dr. Dr. Lukas Prantl Direktor der Klinik für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Caritas-Krankenhaus St. Josef. Bereits seit 2010 obliegt ihm die Professur für plastische Chirurgie an der Universität Regensburg sowie die Leitung des Hochschulzentrums für plastische- und ästhetische-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Regensburg. Ein weiterer Meilenstein in der Zusammenarbeit beider Häuser.

Nationaler Vorreiter in der Krebsmedizin

Den Wert der Zusammenarbeit über die letzten beiden Jahrzehnte hinweg betonte Prof. Dr. Oliver Kölbl, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Regensburg (UKR), in einer Interviewrunde: „Es ist eine starke Partnerschaft, die nicht zuletzt auch in der engen Zusammenarbeit in unserem onkologischen Spitzenzentrum gipfelt. Diese Verzahnung ermöglicht es uns, auch die gynäkologischen und urologischen Patienten ganzheitlich auf höchstem medizinischen Niveau zu versorgen.“

Ein Beleg dafür ist die Krebsmedizin. Das gemeinsame Comprehensive Cancer Center Ostbayern (CCCO) ist inzwischen Teil des CCC-WERA. Der Verbund der vier Uniklinik-Standorte Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg, wurde vor wenigen Wochen zum nationalen Tumorzentrum (NCT) ernannt. Wie weit man sich auf diesem Gebiet den letzten 20 Jahren entwickelt hatte, machte auch Prof. Dr. Olaf Ortmann deutlich. Der Direktor der Klinik für Frauenheilkunden und Geburtshilfe und Lehrstuhlinhaber saß bei der Vertragsunterzeichnung 2003 mit am Tisch: „Es ist fundamental, wie sich St. Josef und die Kooperation in den letzten 20 Jahren entwickelt haben. Wir spielen im Bereich der Krebsmedizin in der nationalen Top-Liga. Das ist der Kooperation und dem Miteinander zu verdanken, das Universität, Universitätsklinikum und St. Josef seit 2003 leben!“

Prof. Dr. Udo Hebel, Präsident der Universität Regensburg machte den Wert der Kooperation für die Wissenschaft deutlich: „Das Caritas-Krankenhaus St. Josef bildet gemeinsam mit der Fakultät für Medizin der Universität Regensburg eine Brücke zwischen internationaler und innovativer Wissenschaft und qualitativ hoher sowie empathischer Patientenversorgung.“

Festrednerin Ulla Schmidt, von 2001 bis 2009 Bundesministerin für Gesundheit, lobte den Mut der damaligen Protagonisten und zeigte die Besonderheit der Vereinbarung auf, die für die Zukunft aller Kliniken bedeutend sei: „Das Universitätsklinikum Regensburg und das Caritas-Krankenhaus St. Josef haben in den 20 Jahren der Kooperation bewiesen, dass in einem harten Wettbewerbsumfeld nicht das Gegeneinander, sondern das Miteinander den Unterschied macht.“

Neben der ehemaligen Gesundheitsministerin nahm auch der damaligen Unterzeichner des Vertrags Prof. Dr. Alf Zimmer, der Lehrstuhlinhaber und Direktor der Klinik für Urologie, Prof. Dr. Maximilian Burger, Prof. Dr. Dr. Lukas Prantl sowie zahlreiche, geladene Gäste aus Kirche, Politik, Universität, Gesundheitswesen und Gesellschaft am Festakt teil. Die beiden Staatsminister Markus Blume und Klaus Holetschek, die nicht selbst vor Ort sein konnten, übermittelten in einem Videogruß die besten Wünsche und gratulierten zur erfolgreichen Kooperation.